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Das Tillern

Tillern kann man auf verschiedene Weise:

Nur mit einem Tillerstock, oder auf einem
Tillerbrett mit Rasterfunktion, auf dem der Tiller-
Stock aufgesetzt wird.
Gut bewährt hat sich auch die Methode, wobei der
Bogen an der Wand aufgelegt wird und über eine
Umlenkrolle am Boden und eine lange Schnur ausgezogen wird.
                                                                                                                                                                                                        Ich bevorzuge das Tillerbrett mit Raster, weil man hierbei leichter das exakte Biegeverhältnis kontrollieren kann.

Vor dem Tillern bekommt der Bogen, nachdem der passende Jahresring für den Bogenrücken freigelegt wurde, aber erst mal seine Kontur. Diese wird über eine Mittelachse auf dem Bogenrücken angezeichnet und dann mit der Bandsäge oder Handwerkzeugen ausgearbeitet. Hiernach wird die Höhe der Wurfarme an der Bogenbauchseite so reduziert dass sich die Wurfarme auf dem Boden gegen den Fuß gedrückt schon etwas biegen lassen. Biegen sie sich noch nicht, wird auf der Bogenbauchseite mit der Raspel oder dem Schabhobel Material abgetragen.
Erst wenn sich so beide Wurfarme biegen lassen, wird der Bogen auf dem Tillerstock aufgelegt.
Vorher sollte natürlich feststehen, welches Zuggewicht der Bogen haben sollte, und die Sehnenkerben müssen hergestellt werden.
 
Mit einer Tillersehne, die zunächst auf die ungefähre Bogenlänge eingestellt wird, wird der Bogen nun auf den Tillerstock aufgelegt und erst mal nur auf 6-8 Zoll ausgezogen ( siehe Foto 1 ). Der Tillerstock hat auf der Vorderseite ( siehe Foto 4 ) Einkerbungen in 2 Zoll-Rasterungen, in der man die Sehne einhängen kann.
Wenn sie sich nicht gleichmäßig biegen, nimmst du an den steifen, sich weniger biegenden Stellen Material weg. Da wo sich das Holz schon etwas mehr biegt, lässt du die Finger davon. Biegen sie sich gleichmäßig, gehst du eine Rasterposition weiter und wiederholst die Arbeitsgänge.
Ebenso wird ständig das Zuggewicht kontrolliert und es wird bei ca. 14 - 16 Zoll Auszug erst das halbe Zuggewicht gezogen. Also bei einem Bogen, der z.B. 50 lbs haben soll, wird erst einmal bis ca. 25 lbs getillert.
Die Biegung sollte bei einem Bogen mit starrem Griff eine elliptische, bei einem Bogen mit arbeitendem Griff eine fast runde Biegung sein.
Wenn sich die Wurfarme gleichmäßig biegen lassen, ist der Zeitpunkt gekommen die Tillersehne etwas zu kürzen. Diese sollte jetzt ca. 2 - 3 Zoll kürzer sein als die Bogenlänge.
Nun kannst du auf dem Raster eine Kerbe weiter ausziehen, Biegung und Zuggewicht wieder kontrollieren. Dann wieder an den steifen Stellen Material abnehmen usw., wobei das Zuggewicht langsam um ca. 10 lbs erhöht werden kann.
Hast du eine Auszugslänge von ca. 20 Zoll erreicht, tausche die grobe Raspel gegen eine feine, noch besser gegen eine Ziehklinge, aus und schabe mit ihr an den Stellen, wo sich das Holz weniger biegt etwas Material ab.
Jetzt solltest du auch bevor du die Sehne einhängst den Bogen ein paar mal bis auf diese Arbeitslänge ausziehen und dann erst die Sehne einhängen, um den Bogen langsam an das Zuggewicht heranzuführen.
Fahre nun so fort, steigere nach und nach das Zuggewicht bis auf 2 - 4 lbs über das gewünschte Zuggewicht hinaus, da der Bogen nachher noch durch Feinschliff und Vorspannung etwas an Zuggewicht verlieren wird.
Stimmt der Tiller, kann jetzt die Bogensehne hergestellt werden, welche in der Länge ca. 3 - 4 Zoll kürzer als die Bogenlänge sein muss, um die richtige Standhöhe zu erreichen. 
                   Der Abstand zwischen Sehne und Innenkante Griff beim aufgespannten Bogen nennt man Standhöhe ( Bild 1 ), diese liegt je nach Bogentyp meistens zwischen 6 und 8 Zoll.                             Sie kann durch Eindrehen der Sehne auch noch in der Länge etwas korrigiert werden.                                                                                                                                                             Bewährt haben sich "Flämisch Gespleißte oder Endlossehnen", letztere sind in der Herstellung etwas einfacher.                                                                                                                                  

Am Ende kannst du den Bogen einschießen und dann mit dem Endschliff und der Oberflächenbehandlung den Bogenbau abschließen. 


Noch ein paar Worte zum Schluß:
• Lass dir beim „Tillern“ Zeit.
• Arbeite in kleinen Schritten.
• Nimm immer nur da Material weg, wo der Bogen sich weniger biegt und lass die Stellen in Ruhe, die sich mehr biegen.
• Achte auf die Maserung auf der Bogenbauchseite, welche im Idealfall eine gleichmäßige nach Außen geflammte Maserung haben sollte.
• Achte auf gleichmäßige Biegung und vermeide starke Knicke.

Dieses ist nur eine grobe Beschreibung des „Tillerns“, es wird sicher auch einige Bogenbauer geben, die den einen oder anderen Arbeitsgang anders ausführen werden.
Aber wichtig ist das Ergebnis, und wenn du die Arbeitsschritte so ähnlich ausführst, bist du auf einem guten Weg.
Es wird dir bestimmt auch einmal ein Bogen nicht so gut gelingen, aber mit jedem Fehler lernst du dazu und stellst sie beim nächsten Mal ab.

Viel Erfolg und Spaß mit deinem selbst hergestellten Bogen!

Anfangsposition getillert bei 6Zoll

Anfangsposition getillert bei 6Zoll

getillert bei 20Zoll

getillert bei 20Zoll

getillert bei 24Zoll

getillert bei 24Zoll

Seitenansicht Tillerbrett

Seitenansicht Tillerbrett

Recurvebogen bei 20 Zoll

Recurvebogen bei 20 Zoll

Recurvebogen bei 26 Zoll

Recurvebogen bei 26 Zoll